Kommando Dienstrad

Warum sollte man als tägliches Brot-und-Butter-Rad so eine alte Kiste fahren?
Die Antwort ist ganz einfach – das Rad ist günstig und zieht Langfinger nicht so stark an, wie es manch anderes Rad vielleicht tun würde.

Vor einiger Zeit wurde auf einer lokalen Angebotsplattform ein relativ günstiger Crosser aus Alu  angeboten. Der Rahmen ist so groß, dass man schon deutlich über 190cm und mit langen Beinen ausgestattet sein muss, um überhaupt darauf sitzen zu können. Über einen entsprechend langen Zeitraum wurde das Rad nicht verkauft und nach langem Zaudern und Überlegen habe ich mich dazu entschlossen, dem Rad eine Chance zu geben und es wenigstens mal eine Runde um den Block zu fahren.

Also habe ich mit meinem besten Kumpel im Schlepptau die Überlandfahrt nach Hildesheim auf mich genommen, um auf dem seelenlosen Alurad wenigstens mal gesessen zu haben. Wie nicht anders zu erwarten war, habe ich es nach kurzer Feilscherei auch mitgenommen. Für den Preis konnte ich nicht anders. Augenscheinlich wurde es gut gewartet (der Verkäufer ist Inhaber eines Radladens), die Verschleißteile waren Relativ frisch und Nabendynamo nebst Beleuchtung waren auch schon verbaut.

In der Zwischenzeit bin ich knapp 1600 Kilometer mit dem Rad gefahren und habe schon eine Menge Freude mit dem Gebrauchtrad gehabt. Die Campa-Schaltung funktioniert einwandfrei – vom Gefühl her schaltet sie knackiger und schneller als die SRAM Force an meinem anderen Waldrennrad. Mit den schmalen Reifen werde ich nie warm werden, aber die Dinger sind scheinbar völlig resistent gegen fiese Steinchen, Scherben und was sonst noch alles auf den Radwegen rumliegt.

Ausgetauscht habe ich natürlich auch etwas – von dem 150mm langen Vorbau und dem komischen Ergo-Sattel mal abgesehen. Waren die ursprünglich verbauten Busch & Müller-Leuchten für den Stadtverkehr vielleicht gerade noch ausreichend, sind sie für meine täglich zu fahrenden Strecken leider etwas unterdimensioniert und sorgen für unschöne Blindflüge.

Das durfte ich während der ersten Beleuchtungsfahrt schnell und schmerzvoll erfahren als ich ungebremst durch tiefe (also für Goslarer Verhältnisse “normale” [bis 30cm Tiefe]) Schlaglöcher gebrettert bin und Angst hatte, dass es mir entweder das Laufrad oder das Genick zerreißt.

Also habe ich mich kurzerhand zur Investition einer Beleuchtungsanlage von Schmidts Maschinenbau aus Tübingen entschieden. Die Lampen kann ich ja an einem eventuell neuen Rad weiter fahren. So habe ich es mir zumindest schön geredet.

Die Avid Shorty-Bremsen waren schon beim Kauf verbraucht und die Hinterrad-Bremse ist mir vor einiger Zeit zerbröselt. Als Ersatz folgte ein weiteres Experiment, in Internet-Foren hin und her diskutiert und mal für gut und mal für völlig ungeeignet erklärt: die Mini-V-Brake. Da die Beleuchtung schon fast so viel kostete wie das restliche Rad, habe ich mich für die günstigsten Bremsen überhaupt entschieden. Und sie funktionieren erstaunlich gut!

Jetzt wird das Rad so lange gefahren, bis die Komponenten durchgenudelt sind und ausgetauscht werden wollen. Milchmädchenrechnungsmäßig habe ich mir nämlich überlegt, dann nichts mehr in das Rad zu investieren. Mein ursprünglicher Gedanke war, dass das ganze Rad so viel kostet wie ein Tausch der Verschleißteile. Also habe ich mir quasi einen Wechsel gespart.

Immerhin!

Der Paintjob im gemässigtem Stars and Stripes-Design hat mich ziemlich schnell gestört. Genauso wie mich auf der anderen Seite die relativ hohen Kosten des Umfärbens gestört haben. Also habe ich versuchsweise mal das osziellierende Multitool angesetzt, um zu testen, ob ich den Lack damit runter geschliffen bekomme. Das funktioniert prima. Irgendwann nehme ich es vielleicht doch mal auseinander und befreie es vom Rest seines Lackkleides. Aber erstmal wird es gefahren.

An sonnigen wie auch an kalten und vor allem nassen Tagen. Schutzbleche sind ja sooo gut!

Sony A7 | Minolta MC Rokkor 85/1.7 und Vivitar 28/2.5

 

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