Ein kleiner Nachruf ans Vivitar

Ich habe das Vivitar Series 1 einsam in einer Kiste auf dem Flohmarkt liegen sehen und habe mich spontan dazu entschlossen, es einfach mal an die Kamera anzuschliessen und auszuprobieren.

Es war günstig.

Nein – billig!

Die ersten Bilder sahen dann auch ziemlich gewöhnungsbedürftig aus. Die Bildränder waren fürchterlich zerfleddert und das Bokeh erzeugte eine unterschwellige Übelkeit bei mir. Trotzdem habe ich mich nicht unterkriegen lassen und das Teil einfach mit mir rumgeschleppt. 28mm Brennweite sind nämlich schon ziemlich lässig bei einem grossen Sensor.

Zumindest sieht man auf den Bildern eine Menge.

Trotz aller Widrigkeiten habe ich das Objektiv in der Zwischenzeit zu schätzen gelernt.

Das massive Objektiv aus Metall, versehen mit einer rauhen Oberfläche und einem leichtgängigen Blendenring will gezielt eingesetzt werden. Dann kann man mit den Verzeichnungen angeben und bei Präsentationen so tun, als wären die Effekte Ergebnis harter Arbeit oder besonderer Skills.

Meistens war aber nur das Licht richtig gut. Die gezeigten Bilder kommen alle direkt aus der Kamera.

Dummerweise habe ich nicht gut auf das Objektiv aufgepasst. Und so ist es vor ein paar Tagen in die Hände meines Sohnes geraten. Dieser Kontakt kam einem Todesurteil gleich: für einen kurzen Augenblick fand er es ausgesprochen interessant. Eine Sekunde später aber ging es den Gang aller Gegenstände, die er mit seinen kleinen Fingern zu fassen bekommt – es fiel Richtung Boden.


Seitdem ist es nicht mehr das, was es vorher war. Jetzt wackelt irgendwas herum, der Korpus ist gestaucht und die Bilder sehen noch verzerrter aus.

Aber hey, jetzt mal ehrlich: was dürfen einem Erwachsenen schon weltliche Dinge bedeuten, wenn ein kleines Kind die Welt entdeckt und dabei mal was zu Bruch geht?

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